Picos de Europa - Macizo Central (Zentralmassiv)

Von Sotres nach Posada de Valdeón (4 Tage)

Refugio Ubeda am Fuß des Pico Urriello

Von Sotres aus gehen wir zunächst auf der Landstraße bergab und zweigen in einer scharfen Kehre auf die geradeausführende Piste in das Tal des Duje ab. Wenig später kommen wir zu den Natursteinhäusern der Invernales del Texu einer alten Hirtensiedlung, die heute wieder teilweise als Ferienunterkunft genutzt wird. Wir biegen scharf rechts ab, gehen durch die kleine Ansiedlung und überqueren den Fluss. Der Fahrweg steigt nun zunächst in weiten Kehren an und führt dann auf den Wiesensattel des Collado de Pandébano zu. Um diesen zu erreichen, verlassen wir an einem Parklplatz den Fahrweg und gehen auf einem markierten Pfad zur Passhöhe hinauf. Hier verliert sich der Pfad etwas, doch um auf den Weg zum Refugio Ubeda (oder Refugio de Vega Urriello) zu gelangen, wenden wir uns auf dem Sattel nach Süden und finden schnell den im Grashang ansteigenden Pfad. Er verläuft an einigen Steinhäusern vorbei und kommt zu einer Scharte (Collado Vallejo) mit schönem Blick auf den weiteren Wegverlauf und den über uns aufragenden Pico Urriello (oder Naranjo de Bulnes), das steinerne Wahrzeichen der Region. Nun sind es noch einmal eineinhalb Stunden Anstieg durch karger werdende Felslandschaft und auch über einige große Schneefelder, bis wir das Refugio Urriello erreichen. Da die Wolken am Himmel nach Regen aussehen, beschließen wir in der großen bewirtschafteten Berghütte (Selbstversorgung ist möglich!) zu übernachten. Am Nachmittag machen wir noch einen Spaziergang zur Brecha de los Cazadores am Übergang zum Refugio Lueje (oder Refugio Jou de los Cabrones). Auf dem Weg sehen wir zahlreiche Gämsen. Nach einer etwas kurzen Klettereinlage ist die Scharte mit der wunderbaren Aussicht auf den Pico Urriello erreicht. Nach Westen sehen wir auf weite verschneite Hänge und es wird uns klar, dass der für den nächsten Tag geplante Übergang zum Refugio Lueje für uns nicht machbar ist. Bei einsetzendem Regen kehren wir zu unserer Hütte zurück und sind froh über das trockene Dach über dem Kopf.  

Das schöne Dorf Bulnes

Das Wetter hat sich auf der Höhe des Refugio gebessert, doch unter uns breitet sich eine geschlossene Wolkendecke aus. So nutzen wir den Vormittag zu einem Spaziergang oberhalb der Berghütte in Richtung des Talkessels Jou sin Tierre. Auch hier liegt noch zu viel Schnee für einen einfachen Übergang in Richtung Süden zur Seilbahnstation von Fuente Dé. Gegen Mittag machen wir uns auf den Abstieg auf demselben Weg auf dem wir gestern gekommen sind. Bald werden wir von der dichten Wolkendecke verschluckt. Es wird kalt und klamm, während wir zum Collado de Pandébano hinabgehen. Dort suchen wir den Anfang des Weges, der uns nach Westen in das kleine Dorf Bulnes hinunterbringt. Der Abstieg auf den alten Pflasterabschnitten ist teilweise sehr rutschig und schmierig, was das Gehen beschwerlich macht. Schließlich erreichen wir die wenigen Häuser des Dorfes, das bis heute keinen Straßenanschluss besitzt. Vor wenigen Jahren hat man jedoch eine Bergbahn, die durch einen Tunnel von Puente Poncebos hinaufführt, gebaut, so dass der Zugang auch für Touristen erleichtert wurde. In der winzigen Pension Casa del Chiflón bekommen wir ein kleines, aber gemütliches Zimmer und in der angrenzenden Bar serviert uns der Wirt am Abend ein preiswertes und gutes Dreigänge-Menü.   

Auf dem Weg durch die Cares-Schlucht

Auch am nächsten Morgen hängen die Wolken noch an den Berggipfeln, aber immerhin regnet es nicht. Nach dem Frühstück machen wir einen Bummel in den oberen Ortsteil El Castillo. Dann starten wir zu einer der spektakulärsten Wanderungen, die die Picos de Europa zu bieten haben durch die Garganta de Cares. Zunächst steigen wir durch die schöne Schlucht des Canal del Tejo in Richtung Puento Poncebos ab. An deren Ende überqueren wir den Cares-Fluss auf einer Brücke und kommen zu einem Parkplatz, an dem der Weg in die grandiose Cares-Schlucht beginnt. Dieses ist eine der beliebtesten Wanderungen in den Picos de Europa, so dass man hier selten alleine sein wird. Zunächst steigen wir zum Sattel Los Colloaos, dem höchsten Punkt der Schluchtwanderung, hinauf. Von hier blickt man das tief eingeschnittene Flussbett entlang und sieht den Weiterweg an der nördlichen Schluchtwand. Nun geht es noch einmal steil hinunter, bis wir den hervorragend ausgebauten, breiten Unterhaltungsweg für den Wasserkanal, der sich durch die gesamte Schlucht zieht, erreichen. Von hier ab geht es fast eben an der Schluchtwand entlang mit immer neuen faszinierenden Ausblicken. Das Tal verengt sich immer mehr und der Weg führt durch einige kleine Tunnel. Am Ende der drei bis vierstündigen Schluchtdurchquerung kommt man zu düsteren Engstellen mit langen Tunnelpassagen. Dann endet die Schlucht an einem Wehr, wo der Wasserkanal beginnt. Nun ist es nicht mehr weit nach Caín, einen unter herrlichen Berggipfeln gelegenen Weiler mit mehreren Ünterkünften und Restaurants. Im Hostal La Ruta nehmen wir uns ein Zimmer und freuen uns schon auf das Abendessen.  

Ländliches Posada de Valdeón vor Bergen des Zentralmassivs

Endlich scheint die Sonne mal wieder von einem wolkenlosen Himmel. Da wir eigentlich nur eine kurze Etappe vor uns haben, nutzen wir den Vormittag, um noch einmal in die Cares-Schlucht zurückzugehen und die wunderbare Landschaft in neuem Licht zu genießen. Mittags starten wir dann von Caín zunächst auf der Straße nach Süden. Es wird gerade gebaut und die Straße ist stundenweise gesperrt, so dass wir die autofreie Zeit nutzen. Am Ende einer kleinen Schlucht zweigen wir über eine Fußgängerbrücke nach links von der Straße ab. Auf deutlichem Pfad gehen wir über dem östlichen Ufer des Río Cares und kommen durch zwei kleine verlassene Häusergruppen mit hübschen kleinen Kirchen. Kurz vor Cordinanes geht es wieder hinab zum Fluss, den wir überqueren und dann zum Aussichtspunkt Mirador del Tombo in einer Straßenkehre hinaufsteigen. Von dem Standbild mit einer zierlichen Gämse haben wir einen schönen Blick zurück auf den Eingang der Cares-Schlucht. Nun folgen wir ein ganz kurzes Stück der Straße und biegen dann nach rechts bergauf auf den Camino del Bustion, der uns durch schöne Bergwiesen zum Ortsrand von Posada de Valdeón bringt. Vorbei an typischen Getreidespeichern der Region, den Horreos, kommen wir an die zentrale Straßenkreuzung mit der Pension Begona. Wir nehmen wie schon einige Jahre vorher ein kleines Zimmer im liebenswürdig verstaubten alten Teil des Hauses - zwar ohne eigenes Bad, aber die Gemeinschaftsbäder sind ausreichend und sehr gepflegt. Wir mögen die persönliche Atmosphäre in dieser netten Unterkunft und entscheiden uns, zwei Nächte zu bleiben.   

Blick auf das Westmassiv und den Collado Jermoso

Von Posada de Valdeón machen wir noch eine tolle Rundwanderung zum Refugio Collado Jermoso. Dazu gehen wir zunächst in einer halben Stunde auf der Straße nach Cordinanes. Am oberen Ortsrand beginnt der markierte Aufstieg zunächst als Fahrweg und steigt dann als Pfad zu den Felswänden an. Wunderbar angelegt leitet der nur leicht ausgesetzte Weg über schroffe Felsstufen und biegt dann nach Westen in sanfteres Gelände des Canal de Asotín. Durch ein kleines Waldstück steigen wir hinauf in das Wiesental der Vega de Asotín. Hier schwenkt unser Weg nach links - der Rückweg verläuft durch die geradeaus sichtbare steile Rinne des oberen Canal de Asotín. Wir aber steigen rasch zum Collado Solano hinauf, wo wir einen herrlichen Blick über das Cares-Tal zu den Gipfeln des Westmassivs haben. Reimar fühlt sich heute nicht gut, so dass wir uns trennen und uns für später an der vorherigen Verzweigung verabreden. Der Weg quert nun den steilen Hang, das kleine Schneefeld hier könnte früher im Jahr Probleme bereiten. Nun geht es immer den Markierungen folgend weiter bergauf. Der letzte Aufstieg zum Collado Jermoso mit dem kleinen bewirtschafteten Refugio Diego Mella ist sehr steil, aber nicht sonderlich schwierig. Von der 2072 m hohen Anhöhe über der Berghütte hat man einen fantastischen Blick ins Tal und zum Westmassiv. Nun geht es am Hang entlang nach Südosten und über die kleine Passhöhe der Las Colladinas. Zahlreiche Gämsen weiden an den Hängen. Einige Male muss ich weite Schneefelder überqueren, aber der schmale Pfad ist recht gut zu verfolgen. Kein Mensch begegnet mir hier oben und ich fühle mich wie in einer völlig abgeschiedenen Bergwelt. Der Weg führt durch die Felsen zum Boden des Hochtals. Hier beginnt der Rückweg, der vorbei am kleinen See Llagu Bajero zur steilen Rinne die wir auf dem Hinweg schon eingesehen haben, führt. Der Abstieg ist etwas steinig aber rasch erreiche ich wieder die Wiesenfläche der Vega de Asotín, wo Reimar im Sonnenschein auf mich gewartet hat. Gemeinsam treten wir den Heimweg auf der bekannten Route an. Am späten Nachmittag sind wir nach einem großartigen Tag in den schroffen Bergen zurück in unserer Pension.

Die schönsten Bilder der Tour