Picos de Europa - Macizo Occidental (Westmassiv)

Von Posada de Valdeón nach Covadonga (4 Tage)

Reimar vor der Pena Santa de Castilla

Eigentlich war die Wettervorhersage gut gewesen, doch es hängen dichte Wolken bis tief in das Tal von Posada de Valdeón, als wir das Dorf verlassen und auf dem kleinen Sträßchen nördlich des Río Cares nach Soto de Valdeón gehen. Wir durchqueren den ruhigen Ort und gehen auch geradeaus in westlicher Richtung weiter, als die Straße nach links über den Fluss führt. Auf dem Fahrweg steigen wir immer leicht an und biegen dann nach Norden in das Tal Valle de Argolla ein. Auf dem guten Fahrweg steigen wir am Ende des Tals in weiten Kurven immer hinauf, bis wir auf die weiten Wiesenflächen der Vega de Llos kommen. Hier stecken wir mitten in den Wolken und haben kaum noch Sicht. Wir finden die kleine gemauerte Schutzhütte und etwas darüber einen Brunnen mit Viehtränke. Doch unseren weiteren Weg finden wir nicht. Mehrmals folgen wir Viehpfaden, die im Nichts enden. Schließlich entdecken wir doch - mehr durch Zufall - den Pfad, der unterhalb der Felsen hinüber zum Collado El Frade verläuft. Bei guter Sicht dürfte die Wegfindung kein Problem darstellen. Hier treffen wir auf dem Hauptweg, der vom Refugio de Vegavano kommend ins Westmassiv führt. Ziemlich steil und leicht ausgesetzt führt er in in die Rinne des Canal del Perro. Wr können unser Glück kaum fassen, denn mit einem Mal durchstoßen wir die Wolkendecke und stehen unter den mächtigen Felswänden im gleißenden Sonnenschein. Im Canal del Perro halten sich noch große steile Schneefelder, um die wir an ihrem oberen rechten Rand herumkraxeln. So dauert es etwas, bis wir die Passhöhe des Collado del Burro erreichen. Hier erwartet uns eine spektakuläre Aussicht, denn vor uns erhebt sich die mächtige Südwand der Pena Santa de Castilla, mit 2593 m der höchste Gipfel des Westmassivs. Immer wieder schwappen Wolkenschwaden aus den Tälern herauf, ein fantastisches Bild. Nun geht es in stetem Auf und Ab durch die Felslandschaft nach Norden, bis wir den Sattel der Vega Huerta mit ihrer kleinen Quelle und den ebenen Grasflächen erreichen. Ein wunderbarer Ort zum Zelten.

Zeltplatz über den Wolken an der Vega Huerta

Von nun an haben wir die Wettergötter auf unserer Seite. Als die Sonne aufgeht, schauen wir direkt auf ein endloses Wolkenmeer unter uns, aus dem nur ein paar Berge wie Inseln in der Ferne herausragen. Nach dem Frühstück machen wir uns auf die anspruchsvolle Durchquerung des Zentralmassivs. Bals stellen wir fest, dass der mit Farbmarkierungen gekennzeichnete Pfad zum großen Teil noch unter riesigen Schneefeldern verborgen ist. Intensives Kartenlesen und ein gutes Gespür für das Gelände sind nun gefragt. Es geht am Fuß des El Gato, einem Vorgipfel der Pena Santa de Castilla, entlang und dann schwenkt die Route nach Norden. Am Hang gegenüber ist deutlich der U-förmige Einschnitt der Horcada La Poza auszumachen, durch den wir hindurch müssen. Der Weg führt eigenlich immer hoch am Hang entlang dorthin, doch er steckt noch in steilen, vereisten Schneefeldern. Wir haben nur die Wahl, einige Stunden zu warten, bis die Sonne den Schnee angetaut hat, oder durch die Talsenke hinüber zu gelangen. Also lassen wir die Rucksäcke einfach im Schnee den Hang hinab rutschen, steigen hinterher und dann einen weitgehend schneefreien Weg suchend wieder hinauf. Das Manöver kostet uns etwas Zeit, aber wir kommen sicher in der Scharte an. Nun geht es meist die Höhe haltend etwas leichter voran, doch immer wieder sind weite Schneeflächen zu überqueren und der Anschluss des Weges zu suchen. Aber die herrliche Bergwelt und die Blicke auf die Wolken unter uns entschädigen für alle Mühen. Schließlich erreichen wir den Collado La Fragua und beginnen den Abstieg in Richtung des Refugio de Vegarredonda. Das Wetter scheint stabil zu bleiben, so ziehen wir das Zelt der am Wochenende gut besuchten Hütte vor. Auf der Suche nach einem Zeltplatz entdecken wir einen schönen Feuersalamander. Bald darauf haben wir auch einen ebenen Platz für das Zelt unweit einer Wasserstelle außer Sichtweite der Hütte am Aufstieg zum Mirador de Ordiales gefunden.  

Jens-Uwe auf dem Jultayu mit Blick auf das Zentralmassiv

Vorbei am Refugio de Vegarredonda steigen wir nun auf dem guten Wanderweg ab und kommen mehr und mehr aus dem Felsgelände in die Region der Hochweiden. An der Vega la Piedra stoßen wir auf eine Piste, der wir zu einer Querpiste hinauf folgen. Dort halten wir uns rechts und gelangen rasch auf die Vega de Enol, wo nach rechts ein markierter Pfad abzweigt, der sich zwischen zwei Anhöhen hindurch in östlicher Richtung zum Nordende des Lago de Ercina windet. Dort queren wir hinüber auf den Weg, der stets ansteigend durch die kleinen Sommerhirtensiedlungen El Brazu und Las Bobias zur Vega de Ario hinaufführt. An deren Rand liegt das Refugio Vega de Ario, doch auch hier ziehen wir es vor, auf einer gerade für unser Zelt ausreichenden ebenen Fläche zwischen großen Felsblöcken zu zelten. Nur das Wasser müssen wir aus dem Brunnen nahe der Berghütte holen. Wir haben noch genug Zeit, um am Nachmittag den zweiten Gipfel unserer Tour zu besteigen. Dazu folgen wir dem nicht immer ganz deutlichen Pfad zur Collada del Jito, von wo man auch in die Cares-Schlucht absteigen kann. Wir aber steigen auf der anderen Seite des Einschnittes zum deutlichen Gipfel des 1940 m hohen Jultayu auf, den wir über steile Pfadspuren auf seiner grasigen Westseite erreichen. Auf seinem Gipfel angekommen bricht das Gelände jäh vor uns ab und stürzt 1500 m in die Cares-Schlucht. Tief unter uns blicken wir auf die Dächer von Caín, wo wir einige Tage zuvor übernachtet haben. Die Blicke zum Zentralmassiv und in die Cares-Schlucht sind einfach gigantisch. Nachdem wir das Panorama ausgiebig genossen haben, kehren wir auf dem gleichen Weg zum Zeltplatz zurück.   

Ziel der Tour - die Wallfahrtskirche von Covadonga

An unserem letzten Trekkingtag steht der lange Abstieg nach Covadonga an. Zunächst geht es auf dem bereits bekannten Weg zum Lago de la Ercina zurück. Hier nutzen viele Ausflügler das gute Wetter zu einem kleinen Spaziergang in der Bergwelt. Uns ist inzwischen der Proviant ausgegangen, so dass wir uns über ein günstiges Mittagessen im kleinen Restaurant freuen. Nun könnte man auch mit den Sammeltaxis nach Covadonga hinunter fahren, doch wir machen uns gestärkt zu Fuß auf den Weg. Zunächst geht auf neu angelegten Wegen zu den interessanten Überresten der Bergbauanlagen und zum Besucherzentrum hinab. Hier beginnt der spannende, zum Teil durch alte Tunnel führende Weg in das topfebene Tal Vega de Comeya. Hier treffen wir auf einen nicht in den Karten eingezeichneten Fernwanderweg (lückenhafte rot-weiße Markierungen), der als von Kühen zertretener Pfad auf der Westseite steil aus dem Tal hinausführt. Kurz nach einer Viehtränke stoßen wir auf die Straße nach Covadonga, die wir ein kleines Stück links hinauf gehen und dann auf die erste rechts abzweigende Piste einbiegen. Die Markierungen leiten uns stets in westlicher Richtung bald auf einem Pfad über mehrere kleine Höhenrücken zu den alten Gebäuden von Severin, die früher von Hirten im Sommer genutzt wurden. Der noch deutliche Weg schwenkt nun nach Norden zu einem Sattel und führt zur Häusergruppe von Las Llacerias. Die Markierungen haben inzwischen aufgehört und auch den Weg über die Vega de Orandi nach Covadonge hinab finden wir nicht. Schließlich nehmen wir den breiten Weg, der über La Trapa zur Straße hinabführt, auf der wir dann noch einige Kilometer nach Covadonga hinablaufen. Falls jemand den direkten Verlauf des GR findet, darf er sich gerne mal melden! Covadonga ist als Ausgangspunkt der Rückeroberung der iberischen Halbinsel von der arabischen Besatzung im Jahr 722 eine Art spanisches Nationalheiligtum. Man sollte hier die in einer Felsnische liegende Kapelle und die riesige Wallfahrtskirche besuchen. Wir übernachten in der netten und preiswerten Pension Casa Priena, die etwa 500 m unterhalb von Covadonga an der Straße nach Cangas de Onís liegt. Am nächsten Morgen nehmen wir den Linienbus vom Vorplatz der Wallfahrtskirche, der uns nach Cangas de Onís bringt, von wo man gute Anschlüsse in die großen Städte der Umgebung hat.

Die schönsten Bilder der Tour