Weminuche Wilderness (Colorado - Rocky Mountains)

(September / Oktober 2017)

Im Südwesten Colorados erstreckt sich mit den San Juan Mountains eine der höchsten und am stärksten zerklüfteten Bergketten der Rocky Mountains in weitem Bogen über 250 km bis in den Norden von New Mexico. In einer Phase starker vulkanischer Aktivität wurde die Region einst stark angehoben, anschließend formten Gletscher in mehreren Eiszeiten die Landschaft, so wie wir sie heute erleben. Die diverse Topographie reicht von tief eingeschnittenen Talschluchten über ausgedehnte Hochflächen bis zu schroffen Bergspitzen mit abweisenden Felswänden. Die höchsten Gipfel sind der Uncompahgre Peak (4361 m), Mount Wilson (4342) und der Mount Sneffels (4312 m). Im zentralen Teil der San Juan Mountains reiht sich auf 50 km ein 4000er an den nächsten.

Die Weminuche Wilderness (sprich We-mii-nu-tschii) ist mit 1976 m² die größte Wilderness Area in Colorado und umfasst das wilde Herz der San Juan Mountains. Die Wilderness wird in Nord-Süd-Richtung von der Schlucht des Animas River zerschnitten, durch die die seit 1882 verkehrende Schmalspurbahn der Durango & Silverton Railroad verläuft und für Backpacker einen außergewöhnlichen Zugang ermöglicht. Die Anreise mit den historischen Dampfloks zu den mit dem Auto nicht erreichbaren Trailheads ist trotz der recht hohen Fahrpreise unbedingt zu empfehlen.

Die 16.000 Einwohner zählende Kleinstadt Durango liegt südlich der Weminuche Wilderness und ist ein perfekter Ausgangsort für die Tour um die Needle Mountains. Im Jahr 1881 als Eisenbahnstation gegründet, ist Durango heute ein lebendiger Verkehrsknotenpunkt mit einem angenehmen Zentrum, in dem noch viele Backsteingebäude aus der Gründungszeit erhalten sind. Hier findet man eine Vielzahl von Restaurants und Privatbrauereien (Micro Breweries). An der Main Avenue (US Highway 550) nördlich der Innenstadt liegen zahlreiche preiswerte Motels.

Die Anreise von Norden entlang der als Million-Dollar-Highway bekannten Bergstrecke des US-Highway 550 über die sehenswerten ehemaligen Bergbauorte Ouray und Silverton.

Allgemeine Informationen

Information:

 

Eintrittspreise:

Der Eintritt in die Weminuche Wilderness ist kostenlos.

 

Tipps zum Schlafen und Essen:

An der Main Avenue (US Highway 550) nördlich der Innenstadt von Durango liegen zahlreiche preiswerte Motels. Der Standard ist recht ähnlich, sodass man insbesondere über Buchungsportale die Preise vergleichen sollte.

Wer auf der Suche nach einer herzhaften Mahlzeit und einer großen Auswahl von selbst gebrauten Bieren ist, wird in den beliebten Micro Breweries mit Pub-ähnlichen Lokalen im Zentrum von Durango fündig. Empfehlenswert sind die Carver Brewing Co., 1022 Main Avenue, +1 970 259 2545, www.carverbrewing.com und die Steamworks Brewing Company, 801 East 2nd Avenue, +1 970 259 9200, www.steamworksbrewing.com.

Needle Mountains High Level Route (5 Tage)

Mit Volldampf in die Wildnis

Kaum einer der Fahrgäste betrachtet nicht vor der Abfahrt des Zuges in Durango mit leuchtenden Augen die fauchende Dampflokomotive und erinnert sich an Kindheitsträume. Obwohl man das Erlebnis mit vielen Tagestouristen auf der Fahrt nach Silverton teilt, fühlt man sich später auf der abenteuerlichen Strecke durch den wildromantischen Canyon des Animas River wie auf einer Zeitreise, bei der die Ära des Goldrausches lebendig wird. Auch während des Trekkings in der Weminuche Wilderness wird man mehrmals Zeugnisse früherer Bergbautätigkeit in Form von verlassenen Stollen, Abraumhalden und verfallenen Blockhütten antreffen.

Die fünftägige Runde um die schroffen Needle Mountains vermittelt somit unvergessliche Eindrücke der Erschließung des Wilden Westens und der immer noch kaum berührten Bergwelt. Trotz der gewaltigen Höhen am Columbine Pass (3876 m) und an der Continental Divide über dem Kite Lake (3910 m) gibt es keine technisch anspruchsvollen Passagen zu bewältigen. Die Szenerie wechselt ständig zwischen tief eingeschnitten Flussläufen, hochgelegenen Hängetälern, idyllischen Karseen, Passübergangen in alpiner Tundra und formschönen 4000ern. Die Gegend ist reich an Wapiti- und Maultierhirschen, aber auch andere Gebirgsbewohner wie Murmeltier, Pika und Schneehuhn sind häufig anzutreffen.

Es empfiehlt sich die Tour auf fünf Tage aufzuteilen, um die Gelegenheit für einige Abstecher zu nutzen und die Etappen nicht zu lang werden zu lassen. An langen Sommertagen ist die Unternehmung aber auch in vier Tagen machbar. Als Übernachtungsorte bieten sich dann das Chicago Basin, das Tal des Vallecito Creek und das obere Tal des Elk Creek an.

Toureninfo

Ausgangspunkt:

Die Durango & Silverton Narrow Gauge Railroad (www.durangotrain.com) fährt von Mai bis Oktober täglich mit Abfahrten am Morgen von Durango und Rückkehr ab Silverton am frühen Nachmittag. Backpacker können nach ca. 3 Stunden Fahrzeit an den Haltepunkten Needleton oder Elk Park aus- und auf der Rückfahrt wieder zusteigen.

Der Bahnhof von Durango liegt im Zentrum am südlichen Ende der Main Avenue. Ein großer kostenpflichtiger Parkplatz befindet sich auf der Westseite der Gleise mit Zufahrt direkt neben dem McDonald’s.

 

Anforderungen:

Gute und zumeist ausgeschilderte Trails. Einige Bachquerungen erfordern geschicktes „boulder hopping“ (Nutzung von rutschigen Trittsteinen) oder das Durchwaten, wofür Turnschuhe oder Sandalen empfehlenswert sind. Im Bereich des Kite Lake ist bei der zweiten Überquerung der Continental Divide ein guter Orientierungssinn erforderlich. Die große Höhe erfordert eine ausreichende Akklimatisierung.

 

Länge:

61 km

 

Höchster Punkt:

Continental Divide über dem Kite Lake 3910 m

 

Höhenunterschied:

2630 m im Aufstieg und 2430 m im Abstieg

 

Beste Jahreszeit:

Juli bis September.

 

Genehmigung:

An den Trailheads (Needle Creek und Elk Park) kann man sich selber ein kostenloses Permit ausstellen.

 

Schutz vor Bären:

Der Proviant ist an den Lagerplätzen Proviants gegen Bären oder andere hungrige Tiere zu sichern. Das kann durch Hochhängen an geeigneten Ästen erfolgen. Dafür sind wetterfeste Beutel und ein mindestens 10 m langes Seil mitzubringen.

 

Karten:

Weminuche Wilderness; Trails Illustrated Map 140; 1:63.360; National Geographic.

 

Tipp für Tagestour:

Bereits die Fahrt mit den von Dampfloks gezogenen Touristenzügen von Durango nach Silverton vermittelt einen eindrucksvollen Einblick in die wilde Bergwelt der Needle Mountains.

Tourenbeschreibung

1. Tag: Needleton Train Stop – Chicago Basin

6,7 Meilen bzw. 10,7 km, 3.15 Std., 900 m↑, 0 m↓

 

Vom Haltepunkt Needleton (1), 2510 m, wechseln wir über eine große Fußgänger-Hängebrücke an das Ostufer des Animas River. Auf gutem Trail geht es etwa einen Kilometer in südlicher Richtung flussabwärts eben über Wiesen und durch Nadelwald bis zu einer Wegekreuzung. Hier halten wir uns links auf dem Needle Creek Trail und erreichen wenige Minuten darauf die Grenze der Weminuche Wilderness und den Needle Creek Trailhead, wo wir uns registrieren. Der Weg steigt nun kontinuierlich, aber nie sehr steil durch das Tal des Needle Creek bergan. Anfangs ist der Nadelwald noch mit Gruppen von Espen durchsetzt, die im Herbst leuchtende Farbtupfer setzen. Teilweise verläuft unser Weg hoch über dem rauschenden Bach zu unserer Rechten, gelegentlich nähert er sich wieder dem Talgrund. Nach etwa einer Stunde führt ein Trampelpfad zu einem schönen Rastplatz an das Ufer hinab. Kurz danach überqueren wir einen Zulauf (New York Creek) auf einer soliden Holzbrücke. Im weiteren Verlauf unseres Aufstiegs ergeben sich durch Baumlücken schöne Ausblicke auf den Mount Kennedy (4000 m) und den Aztec Mountain (4057 m) direkt vor uns. Der Weg verflacht schließlich und führt in weitem Linksbogen in den Talschluss des Chicago Basin. Das beliebte Tourenziel ist von einem Bogen eindrucksvoller 14er (Berge mit einer Höhe von mehr als 14000 Fuß) der Needle Mountains umgeben. Von Ost nach West ragen hier Mount Eolus (4292 m), Sunlight Peak (4285 m) und Windom Peak (4292 m) auf. Nach einem Aufstieg von 900 Höhenmeter kommen wir auf eine weite Lichtung und bald zum beschilderten Abzweig zu den Twin Lakes (2), 3410 m. Kurz zuvor führen Trampelpfade zu guten Zeltmöglichkeiten in Baumgruppen etwas abseits des Weges. Im Chicago Basin halten sich häufig erstaunlich zutrauliche Schneeziegen auf.

 

(1) Needleton Train Stop 2510 m – 0:00

(2) Chicago Basin 3410 m – 3:15

 

Ausflug zu den Twin Lakes

Von der Verzweigung (2) führt ein steiler Trail dem Oberlauf des Needle Creek folgend in einer guten Stunde hinauf zu den Twin Lakes, 3825 m. Die kleinen Seen liegen in einem Felskessel, der von den zentralen Gipfeln der Needle Mountains eingefasst wird. Von hier können auf anspruchsvollen Pfaden einige der schroffen Bergriesen bestiegen werden.

 

2. Tag: Chicago Basin – Vallecito Basin

5,1 Meilen bzw. 8,2 km, 3:00 Std., 415 m↑, 450 m↓

 

Diese Etappe ist bewusst recht kurz gewählt, um zuvor den beschriebenen Ausflug in das Vallecito Basin zu ermöglichen. Vom Abzweig zu den Twin Lakes (2) folgen wir dem Haupttrail in den Talschluss, überqueren den Needle Creek auf einem improvisierten Steg aus Baumstämmen und steigen am Westhang im Wald wieder spürbar an. Nach etwa einer halben Stunde liegen eine verfallenen Blockhütte und ein längst aufgegebener Bergwerksstollen, der sich mit einer Taschenlampe erkunden lässt, am Weg. In der Folge kommen wir an einigen gut geeigneten Lagerplätzen vorbei und erreichen eine Geländestufe, auf der sich der Wald lichtet. In zahlreichen Kehren zieht unser Weg anschließend durch den immer steiler werdenden Hang zum Columbine Pass (3), 3875 m, hinauf. Aus der felsigen Scharte wird der Columbine Lake unter uns sichtbar und durch das Tal des Johnson Creek blicken wir auf die beeindruckenden Felswände von Amherst Mountain (4012 m) und Organ Mountain (3969 m). Direkt hinter der Passhöhe zweigt rechts der Endlich Mesa Trail ab, während wir uns links halten und zum Columbine Lake in einer von Gletschern gestalteten Karsenke absteigen, in der Überreste alter Minen verstreut sind. Unser Weg kreuzt den Ausfluss des Sees und windet sich unter der Bezeichnung Johnson Creek Trail hinab ins Vallecito Basin (nicht zu verwechseln mit dem Tal des Vallecito Creek, in das wir am nächsten Tag absteigen). Zu Beginn des flachen Hochtals müssen wir den schon erstaunlich breiten Johnson Creek, der vom versteckten Hazel Lake herabströmt, auf Trittsteinen überwinden. Das Vallecito Basin (4), 3375 m, liegt bereits wieder unter der Waldgrenze und zwischen den großen Fichten findet man zahlreiche schöne Zeltplätze. 

 

(2) Chicago Basin 3410 m – 0:00

(3) Columbine Pass 3875 m – 1:40

(4) Vallecito Basin 3375 m – 3:00

 

3. Tag: Vallecito Basin – Rock Creek

10,2 Meilen bzw. 16,5 km, 5:00 Std., 305 m↑, 590 m↓

 

Am unteren Ende des Vallecito Basin blicken wir in einen wilden Canyon, an dessen Grund der Johnson Creek fließt. Der Weg führt nun steiler hinab, bis wir wieder auf eine Höhe mit dem kräftigen Bergbach kommen. Gelegentlich können wir beobachten, wie das Wasser in Kaskaden zu Tal rauscht. Dann verläuft der Trail wieder in einigem Abstand vom Bach durch kühlen Mischwald, in dem lange Flechten von den Ästen hängen. Im Süden ragen über uns die steilen Felszacken von Amherst und Organ Mountain auf. Von Norden fließt der deutlich kleinere Wasserlauf des Grizzly Gulch vom Windom Peak herab. Seine Querung über einige zusammengelegte Äste ist kein Problem. Bald darauf haben wir die Ebene im Tal des Vallecito Creek erreicht. Unser Weg beschreibt nun einen weiten Rechtsbogen durch Wiesen und schöne Espenhaine. Hier findet man am Weg zahlreiche komfortable Campsites. Wir stoßen ein letztes Mal auf den Johnson Creek und werden bei seiner Querung kaum vermeiden können, die Schuhe auszuziehen und durch das kalte Wasser zu waten. Wenige Minuten später führt der Trail an das Ufer des deutlich breiteren Vallecito Creek, den wir zum Glück auf einer soliden Brücke (5), 2795 m, queren. Auf seiner Ostseite stoßen wir an einem Holzpfahl mit Richtungsangaben auf den Vallecito Trail, dem wir nach links folgen. Direkt danach bieten Wiesenflächen am Ufer noch einmal gute Zeltmöglichkeiten.

Für den Rest der Etappe werden wir nun immer im Tal des Vallecito Creek aufwärts gehen. Im steten Wechsel kommen wir durch Waldstücke und über Wiesenflächen, die den Blick auf die umgebenden schroffen Berggipfel freigeben. Das Tal ist reich an Hirschwild. So werden wir neben den zahlreichen Hufspuren auf dem Weg mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Maultierhirsche oder sogar Wapitis zu Gesicht bekommen.

Nach einer Stunde auf dem Vallecito Trail kommen wir zu einer schönen Zeltmöglichkeit auf einer Wiese unterhalb des Weges. Etwa eine Viertelstunde später ist mit dem Roell Creek ein kräftiger Zufluss auf rutschigen Trittsteinen zu überqueren. Trekkingstöcke oder ein stabiler Ast sind hierbei hilfreich. Über der linken Talseite rückt nun die Felsbastion des The Guardian (4150 m) ins Blickfeld. Direkt gegenüber mündet das Seitental des Rock Creek ein. Um ihn zu queren, müssen wir eventuell wieder einmal die Schuhe ausziehen. Unmittelbar darauf treffen wir auf den Abzweig des Rock Creek Trail (6), 3090 m, über den eine Verlängerung der Tour in das abgeschiedene Zentrum der Weminuche Wilderness möglich wäre. Wir gehen aber geradeaus und können nun einen geeigneten Übernachtungsplatz auf den Uferwiesen auswählen.

 

(4) Vallecito Basin 3375 m – 0:00

(5) Brücke über Vallecito Creek 2795 m – 2:15

(6) Rock Creek Trail 3090 m – 5:00

 

4. Tag: Rock Creek – Oberer Elk Creek

10,0 Meilen bzw. 16,1 km, 6:40 Std., 1000 m↑, 815 m↓

 

An diesem Tag werden wir gleich zwei hohe Pässe nahe der 4000 m-Marke in Angriff nehmen. Dafür sind stabile Wetterverhältnisse wichtig. Doch zunächst folgen wir noch eine Weile leicht ansteigend dem Tal des Vallecito Creek. Dann klettert der Trail jedoch in mehreren Kehren in den bewaldeten Hang hinauf und bringt uns zu den Wasserfällen des Nebo Creek (7). Ein kurzer Abstecher links abwärts ermöglicht einen besseren Blick auf die Felsstufe, über die der Bergbach in zwei Armen in die Tiefe stürzt. Direkt oberhalb der Fälle quert der Weg den Nebo Creek und steigt in mehreren Windungen weiter an. Wenn wir uns dem Bach nähern, der vom Hunchback Pass herabfließt (ein Zufluss des Nebo Creek), müssen wir darauf achten, die Querung nicht zu verpassen. Wir sind hier zunächst fälschlicherweise Pfadspuren gefolgt, die auf der Nordseite des Baches ansteigen, sich dann aber bald im Wald verlieren. Auf der anderen Bachseite geht es weiter bergauf und wir stoßen wieder auf den Nebo Creek. Im weiteren Anstieg lichtet sich der Wald allmählich und wir treffen auf den querenden Continental Divide Trail (CDT) (8). Wir folgen dem Fernwanderweg nach links am Hang entlang und gelangen in ein überraschend sanftes Hochtal, an dessen Ende der Hunchback Pass liegt. Zurückblickend ragen noch einmal die Bergzacken der Needle Mountains auf. Durch Weidenbüsch, die letzten Nadelbäume und feuchte Senken nehmen wir Kurs auf den Pass, den wir schließlich nach kurzem Steilstück erreichen. Am Hunchback Pass (9), 3808 m, verlassen wir die Weminuche Wilderness und der Weg verläuft leicht abwärts am Hang entlang. Von einem Höhenrücken haben wir weite Blicke über die Gebirgszüge und Täler der San Juan Mountains. Nun senkt sich der Trail vorbei an den Resten einiger alter Minen in das Tal des oberen Bear Creek hinab, durch das eine raue Piste in diese abgelegene Bergwelt heraufkommt. An dieser Piste kommen wir zu den Informationstafeln des Hunchback Pass Trailhead (auch Beartown Trailhead genannt) (10), 3600 m. Der CDT verschwindet auf der gegenüberliegenden Seite des Fahrwegs wieder im Gebüsch, wir gehen jedoch links auf der Piste steil zum Kite Lake hinauf. Nach 20 Minuten stehen wir an dem kleinen See, an dessen Ufern die Überreste einer Holzbaracke und Abraumhalden ebenfalls an Zeiten erinnern, in denen hier im Hochgebirge unter widrigen Bedingungen nach Edelmetallen gesucht wurde. Vom Seeufer gehen wir etwa 100 m auf der Piste zurück und halten nach einem Steinmännchen Ausschau, das unseren nach links (bzw. rechts in Aufstiegsrichtung) abzweigenden weiteren Weg anzeigt. Der in der Karte von National Geographic nicht eingezeichnete, deutliche Pfad gewinnt im Hang nördlich des Kite Lake schnell an Höhe. Schon bald haben wir schöne Blicke zurück auf den blauen See und die sich darüber erhebende flache Pyramide eines 4056 m hohen namenlosen Gipfels. Mit einigen Kurven zieht der schmale Trail auf den breiten Rücken hinauf, der hier die Continental Divide darstellt (12), 3900 m. Vor uns bietet sich ein faszinierender Anblick: Auf einer kargen Geländestufe liegt der große Eldorado Lake vor einem Riegel mächtiger Bergspitzen vom White Dome (4153 m) bis zum Peak Two (4107 m). Bei stabilem Wetter bieten sich am Seeufer sicherlich außergewöhnliche Zeltplätze. Bei unserer Tour am 1. Oktober lag auf dieser Höhe nach einem ersten Wintereinbruch allerdings schon eine geschlossene Schneedecke. Wir folgen nun der Kammlinie nach rechts leicht bergab. Kurz darauf zweigt links ein Trampelpfad zum Eldorado Lake ab. Wir gehen aber geradeaus und in einigen Kehren einen steileren Hang hinunter. Vor uns taucht auf einem Grassattel ein kleiner Wegweiser an einer Verzweigung (13), 3855 m, auf. Geradeaus würden wir wieder auf den CDT stoßen. Wir halten uns aber links und steigen in den deutlichen Einschnitt des oberen Elk Creek hinab. Der Weg verliert nun in Serpentinen schnell an Höhe und wir betreten dabei wieder die Weminuche Wilderness. Wenn wir uns dem Elk Creek nahe seiner Quelle nähern, entdecken wir rechts oberhalb des Weges die kurz vor dem Kollaps stehende Hütte einer alten Mine. Wenige Meter darüber kann man auf einer ebenen Schotterfläche gut sein Zelt aufstellen. Da der Platz aber Wind und Wetter ausgesetzt ist, empfiehlt es sich, für die Übernachtung noch etwas weiter abzusteigen. Das Tal verengt sich nun und wir wandern entlang einer überhängender Felswand. Hier ist bereits wieder die Baumgrenze erreicht und in einigen Kehren geht es in den bewaldeten Grund des nun flacher werdenden Tales des Elk Creek (14), 3275 m, hinab. Hier findet man zahlreiche geschützte Campsites und frisches Wasser aus dem rauschenden Bergbach.

  

(6) Rock Creek Trail 3090 m – 0:00

(7) Fälle des Nebo Creek – 1:15

(8) Einmündung in den CDT – 2:00

(9) Hunchback Pass 3808 m – 3:00

(10) Hunchback Pass Trailhead 3600 m – 3:45

(11) Abzweig Kite Lake – 4:05

(12) Continental Divide 3900 m – 5:00

(13) Wegekreuzung Elk Creek Trail 3855 m – 5:25

(14) Oberes Tal des Elk Creek 3275 m – 6:40

 

5. Tag: Oberer Elk Creek – Elk Park Train Stop

6,0 Meilen bzw. 9,6 km, 3:00 Std., 10 m↑, 575 m↓

 

Die letzte Etappe ermöglicht uns einen entspannten Abstieg bis zur Abfahrt des Zuges am frühen Nachmittag. Direkt gegenüber des steil aufragenden Peak Two strömt ein kräftiger Zufluss des Elk Creek aus der Bergkette nördlich des Tales herab. Nach dessen Querung wandern wir durch ruhigen Fichtenwald zu einer großen Lichtung. An ihrem Ende windet sich der Trail durch eine ausgedehnte Blockhalde an deren Fuß wir zu flachen Biberteichen kommen. Über der idyllischen Wasserfläche ragt im Einschnitt des Vestal Basin der markante Gipfel des Arrow Peak (4207 m) auf. Danach verläuft unser Weg eine Weile hoch über dem Elk Creek im Nordhang, führt aber später wieder in den Talgrund hinab. Vor uns wird bereits das Quertal des Animas River sichtbar. Wir können die letzten Kilometer mal direkt am über Felsblöcke springenden Bergbach, dann wieder auf schönen Hangtraversen genießen. Schließlich verlässt der Trail den Elk Creek, indem er nach rechts über einen Bergsporn schwenkt. Kurz darauf kommen wir zu den Informationstafeln des Elk Creek Trailhead. Wenige Minuten später weist ein Holzschild auf dem Abzweig zum „Train Stop“ hin, dem wir nach links bergab folgen. Wir betreten eine große Wiese, an deren Rand vor dem Animas River der Schienenstrang verläuft. Nahe einer Weiche mit kurzem Gleisabzweig zeigt ein Schild den „Elk Park Flagstop“ (15), 2710 m, an, wo wir uns rechtzeitig vor Ankunft des Zuges einfinden sollten.

 

(14) Oberes Tal des Elk Creek 3275 m – 0:00

(15) Elk Park Train Stop 2710 m – 3:00