Trekking auf der Halbinsel Pilion

(April / Mai 2019)

Der Pilion (auch Pelion) ist eine Halbinsel an der Ostseite des griechischen Festlands etwa mittig zwischen Thessaloniki und Athen. In ihrem nördlichen Teil erreichen die Berge eine Höhe von stattlichen 1624 m und es gibt sogar ein kleines Skigebiet. Der Nordteil ist von ungewöhnlich üppigen Buchen- und Kastanienwäldern bedeckt, während im Süden bei geringerer Höhe trockenerer Buschwald vorherrscht.

An den Berghängen liegen zahlreiche Dörfer mit teilweise noch sehr ursprünglicher Architektur und oft einem von großen Platanen beschatteten Dorfplatz.

Einige Strandorte sind touristisch erschlossen, wobei sie zumeist von griechischen Ausflüglern und Feriengästen besucht werden. Einige Abschnitte der alten gepflasterten Dorfverbindungswege (kalderimi) sind erhalten und laden zum Wandern ein.

Hier wird eine Trekking-Runde durch den Nordeteil des Pilion beschrieben, die zum teil durch sehr abgelegene und einsame Landschaften führt. Aufgrund der Länge der Etappen und der schwierigen Wegverhältnisse ist diese Tour nur für erfahrene und ausdauernde Wanderer zu empfehlen.

Allgemeine Informationen

Beste Reisezeit

Frühjahr und Herbst

In den Hochlagen können sich bis in den Mai Altschneefelder halten (insbesondere in den Laubwäldern).

 

Schwierigkeit

Einige Etappen meiner Tour waren sehr lang und anstrengend. Wenig begangene Abschnitte sind teilweise von der üppigen Vegetation sehr zugewuchert. Die Orientierung ist bei vielen Etappen anspruchsvoll. Ein Mobiltelefon mit Offline-Karten ist sehr hilfreich, da die meisten Wege in Open Street Maps verzeichnet sind. 

 

Anreise

Von Thessaloniki und Athen Direktbusse in die Hafenstadt Volos (von Thessaloniki 2,5 Std.). Alternativ mit der Bahn nach Larissa und von dort mit der Regionalbahn (ab Bahnsteig ganz an der Westseite des Bahnhofs) nach Volos.

 

Übernachtungsorte meiner Tour

  • Makrinitsa: Sehr schönes Bergdorf mit in Hanglage hoch über Volos. Nahezu alle Häuser in traditioneller Bauweise. Zahlreiche kleine Hotels und Pensionen sowie einige Tavernen und Restaurants. Bäckerei am Hauptplatz.
  • Veneto: Das kleine Dorf im Norden des Pilion ist kaum vom Tourismus berührt. Es gibt eine Vermietung von Appartments (freundlich, modern) und nur wenige Schritte entfernt eine kleine Taverne, wo man auch etwas zum Essen bekommt.
  • Chorefto: Kleiner Badeort an langem Kiesstrand an der Ostküste mit hauptsächlich griechischem Publikum. In der Mitte des Strandes mehrere große Tavernen und Einkaufsmöglichkeiten. Zahlreiche kleine Hotels. Sehr empfehlenswert ist die Pension To Limanaki am Südende des Strandes beim Campingplatz und über dem kleinen Bootshafen.
  • Tsagarada: Größerer, recht ursprünglicher Ort mit mehreren Ortsteilen, die durch alte Pflasterwege verbunden sind. Zahlreiche kleine Hotels und Pensionen sowie Restaurants, Tavernen und Einkaufsmöglichkeiten.
  • Chania: Kleine Ansammlung von Hotels, Restaurants und Souvenirgeschäften an der Passhöhe zwischen Volos und Zagora nahe der kleinen Skistation.

 

Literatur

  • s. Links

 

Karten

  • Mt Pilio - Anavasi Maps; 1:45.000; recht gute und übersichtliche Karte mit fast allen Wanderwegen; aufgrund des großen Maßstabs zur Orientierung im Detail aber nur bedingt geeignet.

 

Links

  • walking-pelion.blogspot - Eine sehr umfangreiche Sammlung von Wanderrouten mit guter Beschreibung. Erstellt von Mitglieder örtlicher Wandergruppen. (englisch)
  • pilionwalks - Beschreibung eher kürzerer Wandertouren im mittleren und südlichen Teil der Halbinsel.
  • damouchari.info - 12 Wanderbeschreibungen im Umfeld von Damouchari.

Etappe 1: Volos - Makrinitsa

Eine recht kurze Anfangsetappe mit schönen schattigen Passagen, herrlichen Ausblicken auf Volos, tollen Kaskaden und einem Bilderbuchdorf als Ziel.

Länge: 6 km ab Ano Volos - 2,5 Std. (bzw. 10 km ab Volos Bahnhof - 4 Std.)

Der Weg durch die Stadt nach Ano Volos ist nicht sehr attraktiv, daher ist es zu empfehlen, mit dem Stadtbus Nr. 4 bis zur Endhaltestelle nach Ano Volos zu fahren. Von der Bushaltestelle wechselt man auf die nördliche Bachseite und geht unter schattigen Bäumen stromaufwärts. Bald geht es über eine Brücke aan das südliche Ufer und auf einer Fahrstraße weiter am Bach aufwärts. Kurz nachdem ein Zuflusüberquert wurde, kann mann auf einen Fahrstraße nach rechts über eine enge Kurve zu einigen Häusern hinaufgehen, wo geradeaus ein alter Pflasterweg steil den Hang hinauf führt.

Alternativ bleibt man auf der Piste am Bach und gewinnt kurz darauf in mehreren engen Kehren an Höhe, bis an einem Wegweiser der Pflasterweg einmüdet. 

Kurz darauf die Piste verlassen und auf markierten Pfaden nach Stagiates mit dem schattigen Dorfplatz (kleine Taverne) hinauf.

Etwas links abwärts zur Kirche ind von dort leicht bergan auf Fahrweg Richtung Makrinitsa, dessen Häuser man schon am Hang vor sich sieht. Bald zweigt die Route als Pfad vom Fahrweg ab und führt in ein schattiges Tal mit kräftigem Bach (wunderschöner Rastplatz an Kaskaden und großen Felsen). Auf schönem Pfad (teilweise alter Pflasterweg) hinauf zur Straße am Ortseingang von Makrinitsa.

(Die Route ist nicht durchgehend auf OSM dargestellt.)

Etappe 2: Makrinitsa - Veneto

Sehr lange und anstrengende Etappe mit teilweise schwieriger Orientierung. Sie führt durch abgelegene und einsame Waldgebiete, in denen man sich leicht verirren kann. Es ist nicht zu empfehlen, diese Tour alleine zu unternehmen!

Höhepunkte sind die weiten Ausblicke im ersten Teil, die Bogenbrücke von Lesianis, zwei Klöster und überraschend ursprüngliche Buchenwälder.

Länge: 25 km - 9 Std.

Die gesamte Route ist auf walking-pelion.blogspot ausführlich beschrieben, trotzdem hatte ich immer wieder Schwierigkeiten mit der Orientierung. Beim Aufstieg durch den oberen Ortsteil von Makrinitsa gibt es mehrere Wege, die zum Friedhof führen.

Kurz nachdem man die Piste oberhalb von Makrinitsa verlassen hat, geht es zum in der Beschreibung erwähnten Bachbett hinab. Direkt nach dessen Querung führt ein deutlicher, aber falscher Weg nach links den Hang hinauf. Der richtige Weg rechts ist stark überwachsen und kaum zu erkennen. Notfalls muss man die nordöstliche Richtung haltend auf einem der zahlreichen Ziegenpfade ansteigen, bis der Weg wieder deutlicher wird und man auf einen Fahrweg stößt. 

Auch in der Folge habe ich mich zumeist an der Route auf OSM orientiert, die nicht vollständig mit der Beschreibung übereinstimmt. Beim Abstieg zur Lesianis-Bogenbrücke muss man sehr gut auf die Farbmarkierungen achten, der Weg ist oft sehr verwachsen.

Beim Anstieg zum Kloster Sourvia habe ich den zunächst recht deutlichen Waldpfad schließlich verloren und auch mit OSM-Unterstützung nur mit Glück wieder auf die Route gefunden. Ab Kloster Sourvia ist der Verlauf der Route im Wald durch rote Punkte an Bäumen markiert, einen Weg gibt es aber zumeist nicht. Das Gehen auf mit Laub und Zweigen bedeckten Waldboden ist sehr mühsam. Sobald man keine Punkte mehr sieht, muss man sofort umkehren und sich erneut orientieren!

Im Wald quert man nur zweimal Fahrwege (mögliche Auswege).

Erst kurz vor dem Kloster Flamouri kommt man an einer Quelle wieder auf einen gut zu verfolgenden Weg.

Nach dem Kloster führt der Weg in ein Tal, in das man auf engen Kehren absteigt. Am Ende der Sepentinen muss man darauf achten, scharf nach links auf den Weg nach Veneto einzubiegen und nicht gerade aus auf der falschen Talseite Richtung Küste weiterzugehen.

Kurz vor Veneto trifft man auf eine breite Piste, der man nach links in den Ort folgt.

Etappe 3: Veneto - Chorefto

Diese ebenfalls sehr lange Etappe verläuft weitgehend auf dem Fernwanderweg O2. Trotzdem ist auch hier die Orientierung nicht immer offensichtlich und einige Abschnitte sind sehr stark überwuchert.

Man könnte die Wanderung auch bereits in Pouri beenden, wo es ein paar einfache Unterkünfte gibt.

Leider verläuft der Weg ab dem Limnionas-Strand abseits der Küste durch dichten Buschwald, sodass es bis Pouri keine Meerblicke mehr gibt.

Länge: 28 km - 10 Std.

Die Abschnitte Veneto - Pouri und Chorefto - Pouri sind auf walking-pelion.blogspot beschrieben.

Von Veneto geht es zunächst auf der breiten Piste in Richtung Petromelisso, bis der O2 gut beschildert auf einen Pfad abzweigt. In der Folge werden in stetem Auf und Ab drei tiefe Taleinschnitte durchquert, wobei man stets gut auf die roten Markierungen achten muss. In angenehmer Hangquerung geht es im dichten Wald mit wenigen Blicken aufs Meer zum einsamen Limnionas -Strand. Dann verlässt der O2 die Küste und steigt stetig an, wobei einige sehr stark verwachsene Abschnitte zubewältigen sind. Lange Hosen sind empfehlenswert, evtl. sogar eine große Schere oder ein Messer.

Sobald man auf einen Fahrweg trifft, wird das Fortkommen leichter. Den kleinen Abstecher zu einer alten Bogenbrücke (in Karte und Beschreibung) habe ich nicht gefunden. 

Der Pfad bei Palia Mitzela ist dann gut zu gehen.

Das letzte Stück nach Pouri legt man auf unspektakülären Pisten und Straßen zurück.

Von Pouri geht es zumeist gut beschildert auf Pflasterweg und Fahrstraße zum Strand von Analipsi. Nach Beschreibung soll man an dessen Ende die Felsennase oberhalb umgehen, der Weg ist jedoch überwchert und nicht auffindbar. Daher empfiehlt es sich, am Wasser zu bleiben und über die Felsen zu klettern. Der restliche Weg zum Strand von Chorefto ist dann ein sehr schönr Küstenpfad. 

Etappe 4: Chorefto - Tsagarada

Auch wenn der Routenverlauf auf der Karte eine schöne Küstenwanderung vermuten lässt, ist die Wanderung bis Damouchari (bekannt durch eine Szene im Film-Musical Mamma Mia) sehr zusammengestückelt und einige Abschnitte sind wieder sehr zugewachsen.

Der Aufstie aus dem malerischen Dorf Damouchari mit seinem Naturhafen nach Tsagarada erfolgt dann auf einem sehr gut erhaltenen Pflasterweg.

Länge: 16 km - 6 Std.

Die Wegstücke bis Damouchari sind erneut bei walking-pelion.blogspot recht gut beschrieben, erinnern aber an eine Schnitzeljagd, da man stetig zwischen kaum begangenen Pfade, Wirtschaftswegen und Straßen wechselt. Die Ausschilderung ist mangelhaft. Bei der Querung des breiten Baches Mega Rema muss man durch kaltes wasser waten.

Der Strandort Agios Ioannis ist wenig reizvoll, das benachbarte Damouchari hat jedoch einiges an Atmosphäre bewahrt. 

Insgesamt eine Etappe mit Höhen und Tiefen.

Etappe 5: Tsagarada - Chania

Der Aufstieg zum Hauptkamm der Pilion-Halbinsel verläuft durch malerische und einsame Buchenwälder, die Orientierung ist aber erneut eine Herausforderung. Mit dem Schidzouravli wird ein Felsgipfel mit großer Aussicht überschritten, bis man dirch das kleine Skigebiet die Ansammlung von Hotels, Restaurants und Souvenirgeschäften von Chania am Straßenpass auf 1200 m Höhe erreicht.

Länge: 18 km - 7 Std

Bei walking-pelion.blogspot wird die Route in umgekehrter Richtung beschrieben. Von Tsagarada geht es zunächst auf schmalem Weg und dann auf breiter Forstpiste in Kehren bergan. Die auf der Karte eingezeichneten Abkürzungen habe ich nicht gefunden. Leider ist der Aufstiegsweg auch nicht bei OSM eingetragen. Stattdessen bin ich auf einer parallelen Piste gelandet und erst deutlich höher wieder auf die mit roten Markierungen versehene Aufstiegsroute gelang. Sie verläuft fast durchgehend ach dem ansteigenden Rücken, ohne dass es einen deutlichen Weg gibt. So muss man sich entlang der teilweise sehr verblassten roten Punkte an den Baumstämmen orientieren, was mich viel Zeit gekostet hat.

Am Ende des Anstiegs stößt man am Waldrand wieder auf einen recht deutlichen Pfad. Diesem darf man jedoch nicht geradeaus bergab folgen, sondern muss scharf rechts auf einem ebenfalls markierten schmalen Waldweg die Höhe haltend Kurs auf den Gipfel Dramala nehmen (Lichtung im Wald ohne Aussicht). Auf schönem Waldweg geht es weiter zum leicht felsigen Gipfel Schidzouravli mit weiter Aussicht. Beim Abstieg ist eine kleine Felsstufe mit einem Seil gesichert. Weiter geht es auf leicht zu gehendem Waldweg in leichtem Auf und Ab mit jetzt gut beschilderten Wegkreuzungen am Kamm zum Skigebiet und von dort auf Straße hinab nach Chania. 

Etappe 6: Chania - Makrirachi - Chania (Path of the Waterfalls)

Diese sehr schöne und gut markierte Route verläuft fast ausschließlich im Wald von Chania hinab nach Makrirachi und führt immer wieder zu idyllischen Bachläufen mit rauschenden Kaskaden und kühlen Pools. Am Nachmittag kann man mit dem Linienbus von Makrirachi nach Chania zurückfahren (im Hochsommer um 18:00 Uhr, sonst um 17:15 Uhr, s. Fahrplan KTEL)

Länge: 9 km - 4 Std.

Der Pfad beginnt an der Straße zwischen Chania und dem Skigebiet. Der Start ist mit gelbem Schild bezeichnet. Beschreibung bei walking-pelion.blogspot und Markierung unterwegs sind sehr gut, sodass keine Orientierungsprobleme auftreten sollten. Aufgrund der vielen idyllischen Rastmöglichkeiten sollte man mehr als die reine Gehzeit einkalkulieren. Die Bushaltestelle in Makrirachi liegt an der Durchgangsstraße nahe des Dorfplatzes.

Etappe 7: Chania - Volos

Eine schöne Schlussetappe, die auf Pfaden und Wegen (kurzes Straßenstück) fast ausschließlich bergab führt. Unterwegs gibt es weite Ausblicke auf die Bucht von Volos und man kommt durch das nette Dorf Portaria.

Länge: 15 km bis Ano Volos - 5 Std. (bzw. 19 km bis Volos Bahnhof - 6 Std.)

Von Chania vorbei am Hotel Hani Zisi auf schönem Hangweg bis zu einer engen Kurve der Straße nach Volos. Hier ein Stück die Straße bergan (!) bis zur nächsten Haarnadelkurve. Hier auf altem Verbindungsweg (gut markiert) durch abnwechslungsreiche Buschvegetation nach Portaria. Vom Dorfplatz auf der Straße Richtung Makrinitsa und kurz nach der Brücke über den Bach auf Pfad bergab nach Stagiates. Vom Dorfplatz auf schmalem Weg abwärts bis zur Piste (mit zahlreichen Kehren) nach Ano Volos (evtl. dem Wegweiser folgend die Kehren auf altem Weg abkürzen). Von Ano Volos mit Stadtbus Nr. 4 ins Zentrum oder noch 4 km zu Fuß.